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CD Reviews :: Festivalberichte :: Festival Guide
Bericht SummerBreeze Open Air 2006 einleitung | donnerstag | freitag | fazit
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Unser letzter Festivaltag, der Samstag, begann mit einer Band aus Norwegen, die wenige Monate
zuvor ihr deutsches Bühnendebut auf dem With-Full-Force Festival erfolgreich bestand: Lumsk.
Da, wo letztes Jahr ihre Landsleute Midnattsol das Festival eröffnet haben, sollten jetzt
Lumsk die Position der norwegischen Folkmetaller belegen. Aber irgendwie wollte im Gegensatz
zum Force der Funke dieses Mal nicht wirklich überspringen. Zum einen war der Sound leider zu
Beginn des Auftrittes eher suboptimal und zum anderen waren die bereits wachen und anwesenden
Zuschauer offensichtlich eher desinteressiert. Bedauerlicherweise haben sich doch recht viele
verständnislos ab- und den Bierständen zugewendet. Die Band selber machte ihrem Namen in Sachen
Folk alle Ehre. Die Kleidung war absolut authentisch, Sängerin Stine schwebte in einem historischen
Kleid wie eine zarte Elfe über die Bühne, die Violinistin erschien in ihrem grünen Kleid, wie
bereits auf dem WFF, etwas weltentrückt und auch die Herren an den Saiteninstrumenten waren
ganz offensichtlich nicht von dieser Welt. Sehr stimmig in Bezug auf die Texte, die sich rings
um die norwegische Sagenwelt drehen. Besonders bleibt bei mir immer wieder der Song Ormin
Lange hängen, der, sowohl live als auch auf dem Album, eine tolle Stimmung verbreitet.
Wer jetzt nach diesen Beschreibungen nur an eine 'weitere' Mittelalter oder skandinavische
Spaßfolk-Band denken kann, der irrt sich gewaltig. Lumsk beschreibten einen anderen Weg, den man
durchaus als sehr eigenständig bezeichnen kann. Auch, wenn dieser Auftritt auf dem SummerBreeze
vielleicht nicht allzu viele neue Fans missioniert hat, dann sollte er dennoch die bereits
vorhandenen auch von den Livequalitäten der Band überzeugt haben.
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Auch wenn ich Gojira leider nicht selber ansehen konnte, weil einige Vollidioten neben
unserem Camp ihren Grill in die Luft gesprengt haben, will ich doch einige einleitende Worte
schreiben. Der Name Gojira war mir bis zur Bestätigung auf dem Lineup des SummerBreeze gänzlich
unbekannt, aber nachdem ich mir einige Hörproben zur Einstimmung besorgt hatte, wuchs die Spannung
deutlich! Wirklich sehr interessanter und komplexer Death Metal. Schade, dass ich mich stattdessen
auf den Weg zum Zelt machen musste, um die Missetäter zu stellen, die mein armes Auto mißbraucht
hatten. Bis zu diesem Zeitpunkt dachte ich noch, so dumm könnten nur Kinder sein. Aber so kann
man sich täuschen...
An dieser Stelle muss ich mich dagegen bei den Trotteln bedanken die den Grill durch die Gegend geschossen haben. Die Franzosen von Gojira haben absolut beeindruckt: komplex-progrssiver und doch groovender Death Metal, vorgetragen mit unglaublicher Leichtigkeit die nur von der Präzision des Auftritts noch übertroffen wurde. Die zur Verfügung stehenden 30 Minuten sind viel zu wenig gewesen um auch nur die Höhepunkte der vier veröffentlichten Alben zu spielen, allerdings war das Publikum danach bereits ziemlich geschafft. Von dieser Band werden wir in Zukunft sicher (hoffentlich) noch viel hören. In diesem Sinne: From the Sky .. !!
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Visions of Atlantis assoziiert man sofort und unweigerlich mit Nightwish auch wenn die Österreicher sich durch ihren recht modernen Sound etwas absetzen können. Gothic-Metal mit einer Kante Power, dazu eine klare weibliche Stimme und ein männliches Gegrunze - das Konzept ist gut, musikalich konnte die Band mich allerdings nicht überzeugen. Sängerin Melissa ist zwar ein Hingucker, hat eine gute Stimme und zeigte auch eine gute Performance auf der Bühne, irgendwie fand ich den Gig trotzdem etwas langweilig, richtige Kracher haben gefehlt.
Allerdings war eine kurze Ruhephase an dieser Stelle eigentlich ganz gut untergebracht, denn die folgenden Bands versprachen wieder mehr Hektik und Bewegung vor der Bühne.
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Bis Anfang des Jahres (2006) waren Legion of the Damned noch unter dem Namen Occult unterwegs. Als erstes Album mit neuem Namen erschien dann Malevolent Rapture und am neuen Album Sons of The Jackal wird bereits fleissig gearbeitet. Die Musik bewegt sich irgendwo im Bereich des extra-heftigem Uptempo-Thrash mit einigen groovenden Einlagen, lautstark und furios vorgetragen mit viel Doublebass Gewitter. Sänger Maurice, optisch leicht mit Cousin It von der Addams Family zu verwechseln, beweist eine echt rauhe Stimme die er nebem heftigem Kreischen auch zum gelegentlichen Grunzen einsetzen kann. Der gesamte Auftritt der Holländer zeigt eine regelrecht atemberaubende Aggressivität die die meisten Black/Death-Metal Kombos wirklich massiv in den Schatten stellt, eine Tatsache die vom Publikum durch gute Stimmung und viel fliegende Haare honoriert wurde.
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Nachdem ich, dank dieser Trottel, die mein Auto mit glühender Kohle beschossen haben, immer noch
vor Wut kochend, wieder vom Festivalgelände zurück vor der Mainstagebühne angekommen war, musste
ich meine vollständige Aufmerksamkeit dem musikalischen Vortrag vor mir widmen. Denn Necrophagist
haben diese nicht nur verdient, nein, sie benötigen sie sogar! Denn wenn man nicht mit
mindestens 5 Ohren, 3 Händen und einer Nase gleichzeitig versucht, diesen klanglichen Irrsin
aufzunehmen, dann hat man nicht die geringste Chance, irgendwie mitzukommen! Necrophagist
waren mir das erste Mal als Vorgruppe auf der ersten Bolt Thrower Tour 2006 untergekommen, wo ich
sie allerdings nicht zu Gesicht bekommen konnte. Aber alles, was ich über die Deutsche Todes
Techniker so lesen konnte, war nichts als pures Lob! Und dem kann ich nun, da ich sie mit eigenen
Ohren begutachten durfte, nur zustimmen. Vielleicht ist es keine Musik, die man sich zur Entspannung
anhören möchte oder sicher nicht, weil man allgemein gerne Death Metal hört. Necrophagist kann man
sich wegen der Technik anhören! Und da, wo sich viele gegen reine Technik wehren, weil die Musik
selber einfach dahinter zu kurz kommt, kann ich nur beruhigen: die Musik überzeugt auch von
melodischer Seite her. Ich muss letzten Endes aber auch gestehen, ich fand die 35 Minuten
Necrophagist anstrengend! Aber ich kann nur jedem empfehlen, sich dieser Anstrengung selber einmal
auszusetzen.
Von einer Show war bei Necrophargist nicht viel zu sehen, obwohl die Band aus deutschen Landen kommt ist auch Kommunikation mit dem Publikum eher nicht vorhanden. Das wäre aber auch wirklich zuviel des Guten gewesen, denn allein von der akustischen Darbietung war der durchschnittliche Zuhörer durchaus überfordert. Die Komplexität der Arrangements und die technische Finesse die sich bis ins Detail des musikalischen Vortrages sind absolut beeindruckend. Allerdings habe ich eine Bitte and die Band: wenn das nächste Mal die Musiker die Songs nacheinander spielen würden, dann hätte ich vielleicht ne Chance da noch mitzukommen. Fazit: das muss man öfter hören!
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Vielleicht ging es so auch den anderen Anwesenden, denn die Begeisterung für die nachfolgenden
Carnal Forge hielt sich in Grenzen. Musikalisch und Optisch hätte man den Fünfer wohl
am ehesten der Bay Area zugeordnet, insbesondere eben wegen des maximal pigmentierten Sängers
Jens C. Mortensen und seiner ewig langen Dreadlocks. Aber tatsächlich stammen die Herren aus
Schweden, was man ihnen zunächst wirklich nicht zugetraut hätte. So oder so, sie gaben sich
enorm Mühe, ordentlich Stimmung zu machen. Aber der Funke wollte wohl nicht so wirklich
überspringen.
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Interessanter wurde es dagegen wieder kurz darauf auf der großen Mainstage, denn ein lang
erwarteter Gast war endlich auf dem SummerBreeze eingetroffen: Totenmond. Vor zwei
Jahren sollten sie schon kommen, waren auch schon gebucht, fest angekündigt und hatten ihren
Weg in Lineups, auf Poster und, ich glaube, sogar noch auf T-Shirts gefunden. Letztendlich waren sie
jedoch nicht da, die Gründe wurden nie wirklich bekannt, die üblichen Gerüchte von Darmdurchbruch
des Bassisten bis zu Arroganz des Bookingagenten kursierten noch lange, aber die Fans ließen sich
nicht davon abhalten, Totenmond wieder und wieder zu fordern. Dementsprechend groß war die Freude,
als die 3 Berliner dann in undurchsichtigen Nebelschwaden die Bühne betraten und unter grollendem
Dröhnen ihre Positionen einnahmen. Totenmond sind musikalisch schwer zu greifen. Ihre Wurzeln
entstammen dem Punk, aber inzwischen liegen sie irgendwo zwischen schleppendem und dröhnendem
Doom, Hardcore und irgendetwas, was noch brutaler und brachialer ist, als beides zusammen. Der
grollende, langsam vor sich hin rollende Bass fuhr von den Boxenwänden aus wie eine Dampfwalze
über die tobenden Fans und schlug dem ein oder anderen wie ein Fausthieb in den Magen.
Man könnte jetzt meinen, dass diese langsamen Songs eine Spielzeit von einer knappen
Dreiviertelstunde leicht füllen, aber das nahmen die Herren nicht wirklich ernst. Stattdessen haben
sie ihr Geknüppel sogar 2 Mal unterbrochen, um Sänger Pazzer die Möglichkeit zu geben,
das Volk zu fragen: 'WOLLT IHR SCHNAPS?. Und das, was bei anderen Bands gerne eine schlichte
Aufforderung zum gemeinsamen Alkoholkonsum ist, meinte er, wie er es sagte. Denn auf die gegröhlte,
eindeutige Zustimmung hin, begann er die ersten Reihen mit Vodka in Pappbechern zu versorgen.
Das hob die Stimmung weiter an, die aber leider gegen Ende schnell abebbte, als der Himmel seine
Pforten öffnete und es richtig übel begann zu regnen. Der Grund dafür ist allerdings in meinen
Augen eindeutig, aber dazu komme ich noch!
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Der Grund sind die auf der Painstage folgenden Psychopunch! Jetzt wird jeder halbwegs
neugierige Leser sich fragen: was zur Hölle meint er denn jetzt damit? Interessanterweise habe ich
es nämlich noch nie geschafft, Psychopunch ohne Regen zu erleben! Gerade vor 2 Jahren hat es mich
einiges an Bier gekostet, um die nassen Klamotten nicht mehr zu spüren. Dieses Jahr sparte ich
mir die kostenlose Dusche und verzog mich nach 3 Songs unter das nächstmögliche Dach.
Psychopunch machen rotzigen Punkrock.. oder punkigen Rotzrock? Nun, sie füllen auf jeden Fall
den Slot, den ansonsten zum Beispiel die Hellacopters oder, wie im letzten Jahr auf dem
Summer Breeze selber, die Bones einnehmen könnten. Allerdings schaffen diese beiden Bands
es in meinen Augen und Ohren irgendwie überzeugender rüberzukommen. Wohlgemerkt, bei den Fans
scheint die Begeisterung für Psychopunch allmählich aber doch zuzunehmen, denn es waren, trotz
gleichermaßen üblen Wetters, mehr Zuschauer anwesend, als noch vor 2 Jahren. Übrigens fragte sich
vermutlich manch Besucher oder auch jetzt Leser, wie diese Band mit dieser eher ungewöhnlichen
Musikrichtung, es zu dieser Spielzeit geschafft hat. Das lässt sich vermutlich damit begründen,
dass Psychopunch beim SummerBreeze hauseigenen Label Silverdust unter Vertrag stehen.
Damit dürfte dann auch ziemlich feststehen, dass die Schweden in 2 Jahren wieder auf der
Bühne des Breeze stehen werden.
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Der eben beschriebenen Wetterlogik zur Folge müsste der Regen also während der folgenden
Corvus Corax wieder aufgehört haben. Und so war es auch! Denn ihren Auftakt der
besonderen Art mussten die deutschen Spielleute zwar noch vor einem patschnassen Publikum spielen,
dass weiterhin in Strömen begossen wurde. Aber während des Konzertes flaute der Regen ab.
Mit Corvus Corax ergänzt eine weitere Band aus der Mittelaltersparte das Lineup des SummerBreeze,
aber der Unterschied zu 'herkömmlichen' Hybridbands wie Saltatio Mortis, Subway to Sally und
ähnlichen wird doch recht schnell deutlich. Corvus Corax spielen in einer ganz anderen Liga!
Diese Truppe von Spielleuten verwenden keinerlei modernen Instrumente, die Melodien entspringen
Dudelsäcken, Flöten, Schalmeien und anderen historischen Instrumenten, die Rythmen entfahren
donnernd riesengroßen Trommelensembles und Pauken, die von 2 Trommlern bearbeitet werden.
Musikalisch versuchen die Musikanten möglichst historisch korrekt zu spielen, sie verwenden
zu großen Teilen sogar historische Noten, sofern diese überhaupt verwendbar sind. Auch von der
Optik her bieten sie einiges mehr, als die anderen Bands, die man gerne mit dem Mittelaltergenre
verbindet. Die Gewänder passen mehr als perfekt zu Musik und Ankündigungen und sogar die Instrumente
fesseln das Auge! Dementsprechend wurden augenscheinlich auch viele Skeptiker überzeugt und zum
Tanzen animiert, länger als eine Dreiviertelstunde hätte es aber auch nicht sein dürfen.
Corvus Corax sind aber, und das wurde deutlich klar, die bestmöglichen Vertreter ihres Genres
und sollten, meiner Meinung nach, bitte schön gewissen anderen Kollegen künftig vorgezogen werden.
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Im kräftig durchmischten Lineup des SummerBreeze hatten sich schon immer ein paar interessante
Leckerbissen oder Neuentdeckungen in Sachen Pagan Metal befunden. Aber 2006 gab es eine ganz
besondere Band für Kenner der Szene: Thyrfing! Die Schweden gehören nicht gerade zu den
bekanntesten Bands, was wohl insbesondere daran liegen mag, dass man sie wirklich nur ausgesprochen
selten auf einer Bühne zu Gesicht bekommt. Auf einem deutschen Festival waren sie bislang übrigens
noch nie, daher auch die besondere Freude über diesen Auftritt. Und das auch noch mit gleich zwei
Sängern! Einer davon, der als neuer Sänger eingeführt wurde, wie der Rest der Band in T-Shirt, Jeans
und Turnschuhen, allerdings doch mit Kriegsbemalung im Gesicht! Der andere, Thomas Väänänen, der die
Position als klarer Frontmann eingenommen hat, nicht nur mit Kriegsbemalung, sondern auch noch
ordentlich mit Pech und Blut eingeschmiert. Zwei Sänger bieten offensichtlich mehr Möglichkeiten,
als man meinen könnte, Thyrfing gaben ihrem, ohnehin schon gefeierten, Auftritt damit auf jeden
Fall noch zusätliche Würze. Ansonsten ist Thyrfing nur schwerlich mit Genrekollegen zu vergleichen.
Textlich befassen sie sich zwar, wie so oft, mit dem Sein und Plündern der Wikinger, musikalisch
allerdings bieten sie nicht simplen Death Metal, sondern sehr komplexe Melodien, die nicht nur von
Gitarren getragen werden, sondern ebenfalls von reinen Klaviersounds auf dem Keyboard. Wer nach
diesem Bericht oder auch dem Auftritt Lust auf mehr bekommen hat, dem kann ich besonders das 2001er
Album Valdr Galga ans Herz legen. Über das neue Album Farsotstider werde ich mich,
durch diesen Auftritt angeheizt, auf jeden Fall auch noch her machen!
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Also Namensgeber des SummerBreeze war ja ein Song von Type O Negative. Vielleicht lag
da ein Irrtum vor oder es wurden bei der Buchung ein paar Wörter verschluckt, denn zu einer
Topzeit erklommen Negative die Bühne und die ganze Welt wurde ganz furchtbar rosa.
Über die Finnen konnte man im Vorfeld nicht allzu viel Freude im Internet lesen, da war die
Rede von 'HIM-Klonen' und 'Glam-Schwuchteln', aber ich muss ganz ehrlich sagen, ganz so starke
Vorwürfe darf man ihnen nicht machen. Musikalisch gab es erfrischenden Glamrock, der durchaus
als eigenständig und solide bezeichnet werden darf. Die tuckigen Outfits, Unmengen Rosa und
das andauernde Rumgepose gehören nun mal zu Glam wie Ketchup und Mayo zu Pommes Rot-Weiß. Man
merkt, der Kobold hat Hunger, dementsprechend gab es gleich 3 Gründe den Bühnenvorplatz zu
verlassen. Erstens der Hunger, zweitens war da noch der Regen, der uns quasi weggespült hat und
zu guter Letzt, naja, das ist jetzt was persönliches, die fette Flagge mit einem Hanfblatt vor
der Basswand auf der Bühne.
Also dass Negative stilistisch aus dem Rahmen fallen würden war ja durch die Diskussionen im Vorfeld hinreichend klar. Das die eigentlich gut vorgetragene Mischung aus Glam- und Hardrock jedoch so wenig Publikum vor die Bühne bringen würde hatte ich nicht erwartet. Mag vielleicht auch am massiven Regen gelegen haben der während des Gigs sintflutartig vom Himmel fiel. Dabei waren Negative durchaus sehenswert: bunte Klamotten und Haare, Stirnbänder und eine rosa Gitarre sind auf diesem Festival definitiv ebenso ungewöhnlich wie die erste Reihe: ein Haufen kreischender Mädels, ich dachte schon ich bin im falschen Film. Da haben nur noch die fliegenden Stofftiere gefehlt.
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Wie bestellt hat dann der Regen aufgehört als die Bloodflowerz die Painstage betraten. Die Schwaben entstammen dem Summerbreeze-eigenen Stall Silverdust und sind sowas wie Lokalmatadoren auf diesem Festival. Dementsprechend konnten die Gothic-Metaller auch viel Sympathien und Stimmung im Publikum mobilisieren, auch wenn aufgrund des heftigen Regens noch nicht wirklich viel los war. Die Band hatte ihr aktuelles Album Dark Love Poems im Gepäck, daher konzentrierte sich die Songauswahl auch darauf, der eine oder andere bekannte Song wie Diabolic Angel war aber dazwischen und die Band inklusive hochschwangerer Sängerin Kirsten Zahn konnte sich über viel mitsingendes Publikum freuen.
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Schon während den Bloodflowerz bahnte sich ein seltsames Ereignis an: einige Leute hatten offenbar aus leeren Bierdosen ein Rehkitz gebaut dass nun mit einem ansehnlichen Gefolge vom Campingplatz über das Festivalgelände zur Bühne getragen wurde. Die Forderung Bambi statt Gamma Ray wurde zwar vielfach intoniert aber nicht erhört, auch Bambi auf die Bühne blieb erfolglos. Zuguterletzt wurde das silbernde Reh von seinen Anhängern zum Metal-Hammer Bus geleitet wo es auf dem Dach seine letzte Ruhestätte gefunden hat.
Nun, es hat nicht wirklich jemand Bambi statt Gamma Ray auf der Bühne sehen wollen, oder? Die Teutonen-Metaller machen nicht nur Old-School Power Metal wie er im Buche steht, sondern sie sind selbst - insbesondere Front-Strahlemann Kai Hansen - so was wie Klassiker im deutschen Metalbereich. Das diese Band seit vielen Jahren dabei ist merkt man direkt: sie strahlen von der Bühne eine Menge Spass aus der sich auch sofort aufs Publikum überträgt. Old-School auch die Aufmachung der Bühne mit riesigem Logo im Hintergrund, viel Lichtshow und so vielen Marshall-Boxen dass selbst Slayer neidisch geworden wären. Auch das Set war wie zu erwarten gut, eine Stunde querbeet durch die Bandgeschichte mit
Blood Religion, Guardians of the Sinner, Heavy Metal Universe, Send me a Sign und sogar einem alten Helloween-Song: I Want Out
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So, ca. 22 Uhr, zurück vor den Bühnen, die Schlacht sollte gleich los gehen. Das Festivalgelände
war gerammelt voll und ein Bärenanteil der Anwesenden war wohl unter einem Slogan vereint:
I have sworn allegiance!. Wem das jetzt nichts sagt, das hat offensichtlich noch nie was
von den schwedischen Kriegern von Unleashed gehört! Einstmals waren Unleashed eine Größe
in Sachen Death Metal und werden unter anderen als Mitbegründer des Viking Metal bezeichnet.
Dann gerieten sie über die Jahre in Vergessenheit, aber über die letzten Jahre sind sie wieder
aufgestiegen in die oberste Riege der Kriegerloge. Letztes Jahr überzeugten sie uns bereits auf den
Festivals With-Full-Force und Up From The Ground von ihren Fähigkeiten und als nun Frontmann Johnny
die Bühne betrat um seine 'Warriors' wie üblich zu begrüßen, kannte die allgemeine Euphorie
keine Grenzen mehr. Ein moshendes Meer von Headbangern, ein Diver nach dem anderen und Stimmung pur
bei allen Krachern, die sie zu bieten haben, seien es da The Longships are Coming, To
Asgard we fly und natürlich dem obligatorischen Death Metal Victory! Nein, ganz im
Ernst, Unleashed machen einfach jedes Mal von neuem verdammt viel Spaß!
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Offensichtlich hatten sich die Anwesenden ihre Energie gut eingeteilt, denn bei den Headlinern
Fear Factory ging es keinen Deut ruhiger zur Sache. Auch dieser Vierer aus L.A. sollte
jedem Leser ein Begriff sein! Immerhin sind die Jungs schließlich schon eine ganze Weile im
Geschäft, gut über 15 Jahre. Aber da, wo Amorphis am Vortag zeigten, dass ihnen der neue Sänger
neues Leben eingehaucht hat, haben Fear Factory seit ihre Reunion ohne Ex-Gitarrist und Songwriter
Dino Cazares eher an Leben und Überzeugungskraft verloren. Das erste Album nach der Reunion,
Archetype, war durchaus noch vertretbar und wies einige vorzeigbare Songs auf, aber beim
letzten Output Transgression lies die Begeisterung der Fans schon stark nach. Davon sollte
man live und insbesondere auf einem Festival nicht viel merken, denn das Set war an sich der
Standard von alten Tophits wie Replica, Edgecrusher und Shock. Dazu kamen noch
ein paar neue Songs, wie eben z.B. Archetype, aber danach, weil die Zeit noch reichte,
sogar noch einige Neuerungen, die man so lange nicht kannte. Zunächst spielten Fear Factory das
erste Mal seit der Digimortal-Tour Linchpin live und dann kam noch zum Abschluß
Timelessness vom Obsolete-Album, dass rein aus Samples und Burton C. Bells cleanem
Gesang besteht. Burton wurde dabei wunderbar atmosphärisch blau angeleuchtet. Aber irgendwie stimmte
da einfach einiges im Gegensatz zu früher nicht. Burtons Stimme war nicht sauber und irgendwas
schien bei ihm nicht in Ordnung zu sein, ob jetzt Erkältung oder Rausch sei dahin gestellt. Leider
kein überzeugender Gig.
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Während auf der Hauptbühne noch die letzten Takte von Fear Factory verklangen, konnte man vor
der Painstage bereits die ersten Fans The Cry Of Mankind pfeifen und summen hören, die
Spannung war groß. Dieser Song ist über 12 Minuten lang und wohl der bekannteste der letzten
Band des SummerBreeze: MyDyingBride. Ein Teil der Spannung kommt doch immer wieder daher,
dass man sich fragt, wieviele Songs solcher Länge denn in ein Set von 50 Minuten passen. Aber
es hat dennoch funktioniert, selbst The Cry Of Mankind fand in verkürzter Version Platz.
Aber, um mit dem Negativen anzufangen, auch dieser Auftritt war leider nicht perfekt. Bass und
Gitarre lagen teilweise so dermaßen stark daneben, dass man es einfach hören musste. Aber gut,
das hat Gesangskünstler Aaron Stainthorpe locker wettgemacht. Sein eingefallenes Gesicht, das
schüttere Haar, blutrote Ornamente auf den Händen und seine strenge Kleidung bieten das perfekte
Bild passend zu seinem jammernden, melancholischen Gesang. Interessanterweise haben Zuschauer,
die den Auftritt nicht mochten, oft als Grund angeführt, dass Aarons Auftreten ihnen einfach ZU
ätzend war. Und ein größeres Kompliment könnte man MyDyingBride in dieser Hinsicht kaum
machen, denn tatsächlich verursacht auch die Musik oft genug Schauder, aber nicht unbedingt
angenehme. Passend zu den gegrunzt und geschrienenen Passagen warf sich Aaron auf den Boden,
wand sich oder kauerte sich stellenweise wie ein kleines Kind zusammen. Und das bei einer
optimalen Songauswahl! Begonnen mit dem 98er-Album 34.788%... Complete, dass auf Grund
seiner eher experimentellen Natur eher skeptisch betrachtet wurde, über z.B. den bereits
erwähnten Cry Of Mankind und Catherine Blake bis zu einem überraschenden sowie
überraschend brutalen Finale: The Forever People vom As the flower withers Album,
dass bereits vor 14 Jahren erschienen ist!
Ein perfekter Abschluss für das SummerBreeze 2006 und, für mich, zugleich das absolute Highlight.
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einleitung | donnerstag | freitag | fazit
Bericht: Alexter, kAoSKoBoLd
Photos: Alexter, Chaos_AD, kAoSKoBoLd, maddin
zusätzliche Photos: Froggi
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